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Archiv
Unter einem Archiv (v. lat.: archivum aus griech.: archeion Regierungs-, Amtsgebäude) versteht man üblicherweise eine - meist auf Dauer angelegte - Sammlung von Unterlagen oder Informationen.
Bereits diese Definition wird von den meisten Fach-Archivaren abgelehnt. Öffentliche Archive sammeln (überwiegend) nicht, sie übernehmen Unterlagen, denen bleibender Wert zukommt, aus den Provenienzstellen, für die sie zuständig sind. Ein Stadtarchiv erhält Akten und andere Unterlagen aus der Stadtverwaltung (bzw. deren Registratur) angeboten, bewertet diese, kassiert (vernichtet) die nicht archivwürdigen Teile, ordnet und verzeichnet das Archivgut von bleibendem Wert durch Findmittel und stellt es nach Ablauf der archivgesetzlich angeordneten Sperrfrist für die Nutzung bereit.
Staatsarchive, Landesarchive und Stadtarchive bilden traditionell den Kern des öffentlichen Archivwesens. Eng verwandt sind die Universitätsarchive und Kirchenarchive sowie die Parlamentsarchive. Um die Überlieferung der privaten Unternehmen bemühen sich die Wirtschaftsarchive. Privatarchive sind auch die Adelsarchive. Medienarchive wie z.B. die Archiv der Rundfunkanstalten oder Bildarchive sind ihren Trägern weit enger als Rechercheinstrumente und Wirtschaftsgut zugeordnet als die genannten öffentliche Archive. Weiteres siehe Archivsparten.
Archiv im Sinne dieses fachlichen Archivwesens, das im Artikel Archivwesen ausführlich behandelt wird, kann die Institution (im Bereich der öffentlichen Verwaltung: die Behörde), das Gebäude (siehe Archivbau), den Archivraum oder die Zusammenfassung des Archivguts meinen.
Archiv ist zum Bedauern der Facharchivare kein geschützter Begriff. Jeder, der etwa Bierdeckel sammelt, könnte seine Sammlung auch Archiv nennen. Eine Fülle ganz unterschiedlicher Einrichtungen, die Schrift-, Bild-, Ton- oder Datenträger sowie Sachobjekte dokumentieren, nennt sich Archiv, obwohl es vielfach näher läge, sie als Bibliotheken, Museen oder Dokumentationsstellen zu bezeichnen.
Völlig unscharf ist die Verwendung des Begriffs Archiv in der Computer-Sprache. So werden etwa Systeme zur Elektronischen Archivierung oder für die Datensicherung (siehe etwa das Tar-Dateiformat) als Archive bezeichnet.
In der postmodernen Kulturwissenschaft wird Archiv als Oberbegriff für Informations- und Wissensspeicher wie z.B. Biblioheken gebraucht, siehe Archiv (Kulturwissenschaft).
Auch im Titel von Fachzeitschriften begegnet Archiv: z.B. Sudhoffs Archiv.
Bestandserhaltung
Da Archive das ihnen anvertraute Kulturgut (ebenso wie die anderen Kulturgut verwahrenden Institutionen Bibliotheken, Museen und Denkmalämter) dauerhaft für die Nachwelt sichern sollen, stellt sich das Problem der Bestandserhaltung. Auf diesem Feld kooperieren Archive, Bibliotheken und Museen, die sonst weitgehend getrennte fachliche Wege gehen, am meisten. Die Erhaltung etwa eines Tonbands sollte in jeder Institution nach den gleichen fachlichen Maßstäben, wie er auch dem Selbstverständnis des Restauratoren-Berufs zugrundeliegt, erfolgen.
Besondere Probleme wirft die Langzeitarchivierung von digitalen Informationen auf, da die Haltbarkeit der derzeit üblichen Datenträger sehr begrenzt ist. Beispielsweise sind bereits heute Teile der Magnetbänder mit den Daten des Apollo-Projektes nicht mehr lesbar, weil die die Computer, Betriebssysteme und Programme von damals nicht mehr verfügbar sind.
Erschließung
Die Erschließung, das ist die Ordnung und Verzeichnung des Archivguts, erfolgt in Facharchiven heute nach dem Provenienzprinzip, während im 19. Jahrhundert das Pertinenzprinzip weit verbreitet war, das die Unterlagen ohne Rücksicht auf ihren Entstehungszusammenhang und ihre Herkunft (Provenienz) nach Sachbegriffen (Pertinenzen) organisierte. Ein aus dem Zusammenhang gerissenes Schriftstück hat erheblich geringere Aussagekraft als ein Schriftstück, das in seinem Kontext belassen wurde.
Ausgehend vom angloamerikanischen Raum arbeiten Archive an gemeinsamen Standards wie Encoded Archival Context und Encoded Archival Description. Da sich in den USA Archive und Bibliotheken weit näher stehen als im deutschsprachigen Raum, kommt es durch die Kooperation auf dem Gebiet der Standardisierung zu einer verstärkten Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken.
Angestrebt wird, dass in Zukunft der Benutzer nach einheitlichen Standards weltweit in vernetzten Archivdatenbanken in den Findmitteln der Archive recherchieren kann.
Benutzung
Vor allem die Entwicklung des Datenschutzes war der Motor für die Archivgesetzgebung. In den öffentlichen Archiven weltweit spielt der Respekt vor sensiblen personenbezogenen Daten eine große Rolle. Beispielsweise können Personalakten in der Regel erst einige Zeit nach dem Tod des Betreffenden in die Benutzung gegeben werden (in Deutschland 10 bis 30 Jahre).
Mit dem Aufkommen der Informationsfreiheitsgesetze spielen die früher dominierenden Befürchtungen, Benutzer könnten durch verfrühte Einsicht in Behördenakten der Verwaltung schaden, eine immer geringere Rolle. Für die Unterlagen des Bundes und der Länder gilt in Deutschland eine Regelsperrfrist von 30 Jahren nach Entstehung.
Vereinzelte Pilotprojekte gelten der Digitalisierung von Archivgut, um es im Internet zur Benutzung bereitzustellen. Derzeit wird zwar das Einstellen von Findmitteln in das World Wide Web allgemein befürwortet, aber der Gedanke von Open Access für Archivgut ist noch kaum verbreitet.
Archivorganisationen und Berufsbild
Dem fachlichen Austausch dienen die Berufsverbände der Archivarinnen und Archivare und Zusammenschlüsse von Archiven sowie archivische Fachzeitschriften (in Deutschland ist an erster Stelle Der Archivar zu nennen). Erst in neuester Zeit nutzen Archivare verstärkt das Internet zum Informationsaustausch (Websites, Mailinglisten).
Siehe auch
Archivwesen, Archivkunde, Archivar, Datenschutz, Elektronische Archivierung, Langzeitarchivierung, Verwaltungsarchiv.
Literatur
- Adolf Brennecke: Archivkunde, bearb. und erg. von Wolfgang Leesch, Leipzig 1953.
- Norbert Reimann (Hg.): Praktische Archivkunde. Ein Leitfaden für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Archiv, Ardey-Verlag Münster 2004, geb., 360 Seiten, ISBN 3-87023-255-2
- Bernd Hüttner: Archive von unten. Bibliotheken und Archive der neuen sozialen Bewegungen und ihre Bestände, Verlag AG SPAK, Neu-Ulm 2003, ISBN 3-930830-40-X, 180 S.
Weblinks
-
- [http://www.lehre.historicum.net/architutorial/index.htm Gebrauchsanleitung zur Archivbenutzung]
- http://www.adfontes.unizh.ch/1000.php - Einführung Zürich
- http://www.uni-marburg.de/archivschule - Archivschule Marburg
- http://www.augias.net - Archivwesen Online
- http://archiv.twoday.net - Weblog ARCHIVALIA zum Archivwesen
- http://www.vsa-aas.org - Archive in der Schweiz
Kategorie:Dokumentation
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ja:アーカイブ
Griechische Sprache
Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen.
Siehe: Griko in Italien
Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden.
Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el
bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis
1453) grc.
Geschichte
1453
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist.
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert.
Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden.
Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt.
Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus).
Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt.
Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.
Grammatik
Altgriechisch
Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie.
Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.
Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.
Nominale Wörter
Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
- (allgemeine) Regeln:
- Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
- Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
- Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache.
Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
- echter Akkusativ (direktes Objekt)
- adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
- echter Genitiv (Bereich)
- Separativ (Herkunft)
- Dativ
- echter Dativ (indirektes Objekt)
- Soziativ (Gemeinschaft)
- Instrumental (Mittel)
- Lokativ (Ort, Zeit)
Verben
Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm.
Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.
Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen)
Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung.
Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens)
Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.
Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen
Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten).
Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.)
Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.
Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.
Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck.
Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint.
In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt.
Der Imperativ drückt einen Befehl aus.
Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt).
Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.
Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus.
Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:
Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)
Beispiele:
Aktiv: er löst (etwas)
transitives Medium: er löst (etwas) für sich
intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen
Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural).
Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.
Neugriechisch (Dimotiki)
Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation.
Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache:
Vokale
geschlossen
halbgeschlossen
offen
Alle Vokale werden kurz ausgesprochen.
laut IPA
Konsonanten
p t k
b d g
v δ z γ
f θ s χ
m n
l
r
Siehe auch
- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen
Literatur
- Geschichte:
- Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
- Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
- Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
- Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
- Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
- Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
- Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
- Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
- Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
- Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992
Weblinks
- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Einzelsprache
als:Griechische Sprache
ja:ギリシア語
ko:그리스어
ms:Bahasa Greek
simple:Greek language
th:ภาษากรีก
SammlungDer Ausdruck Sammlung bezeichnet
#das Zusammenbringen bestimmter (finanzieller) Mittel (Spendensammlung, Fundraising, Altkleidersammlung)
#eine politische Vereinigung von Menschen
#die Gesamtheit von Sachen als Ergebnis des Sammelns (z. B.: Briefmarken-, Münz-, Gemäldesammlung)
#in der Literatur eine Anthologie
#den Ort der gesammelten Gegenstände: Kunstsammlung (z. B.: Sammlung Ludwig);
- Eine Institution zur Sammlung bestimmter kultureller Güter: z. B. Sammlung Deutscher Drucke
#(mental) die innere Konzentration
Siehe auch: Versammlung.
ArchivarDer Archivar bewertet, sichert und erschließt vor allem Schriftgut, das in der Regel von öffentlichen und privaten Verwaltungen an das Archiv abgegeben wird.
Er erstellt Findmittel und berät Archivbenutzer, sorgt für die Auswahl, Übernahme und die Erhaltung der Archivalien. Die meisten Archivare der größeren Archive (Staatsarchive und andere) müssen eine archivfachliche Ausbildung absolviert haben.
In Privatarchiven oder in Kommunalarchiven muss der Archivar nicht unbedingt ein Studium nachweisen.
Siehe auch: Dokumentar, Archivwesen, Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare.
Weblinks
- [http://www.vda.archiv.net/ Verband deutscher Archivarinnen und Archivare]
- [http://www.archivschule.de Archivschule Marburg]
- [http://informationswissenschaften.fh-potsdam.de/index.php?id=studiengaenge_fb FB ABD/FH Potsdam]
- [http://www.wirtschaftsarchive.de/ Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V.]
- [http://archiv.twoday.net Weblog Archivalia]
Kategorie:Archiv
FindmittelAls ein Repertorium bezeichnet man im Archivwesen ein handschriftliches oder auch maschinengeschriebenes Verzeichnis der Archivalien eines Archivbestands. In der deutschen Sprache wird es häufig als Findbuch bezeichnet (Karteien und Repertorien bilden die sogenannten Findmittel oder Findhilfen, Ergebnisse der archivischen Erschließung oder Verzeichnung). Der Begriff ist abgeleitet von dem lateinischen "reperio", das mit (auf)finden, entdecken, ermitteln übersetzt werden kann.
Findmittel werden heute zunehmend als Datenbanken erstellt und im Internet bereitgestellt.
Im akademischen Sprachgebrauch bezeichnet man auch umfassende Verzeichnisse als Repertorien. Auch als Zeitschriftentitel begegnete der Begriff Repertorium vor allem im 19. Jahrhundert gelegentlich (Beispiel: das von Emil Jacobsen herausgegebene Chemisch-technische Repertorium).
Emil Jacobsen
Siehe auch
- Encoded Archival Description
Weblinks
- http://www.uni-marburg.de/archivschule/fv4.html Archivschule Marburg: Materialien zu Online-Findbüchern
Kategorie:Geschichtswissenschaft
Kategorie:Archiv
ArchivgesetzDie Archivgesetze des Bundes und der Länder regeln die Archivierung von Unterlagen der Stellen des Bundes bzw. der Länder sowie die Organisation des jeweiligen Archivs. Voraussetzung für die Aufnahme von Unterlagen (Akten, Schriftstücke, Karten, Pläne sowie Träger von Daten-, Bild-, Film-, Ton- und sonstigen Aufzeichnungen) in ein Archiv ist, dass die Unterlagen von bleibendem Wert sind, d. h. dass ihnen bleibender Wert für die Erforschung oder das Verständnis der deutschen Geschichte, die Sicherung berechtigter Belange der Bürger oder die Bereitstellung von Informationen für Gesetzgebung, Verwaltung oder Rechtsprechung zukommt und eine Offenbarung nicht gegen das Brief-, Post- oder Fernmeldegeheimnis verstoßen würde.
Siehe auch: Bundesarchiv (Deutschland)
Kritik
Die Arbeitsgemeinschaft der Informationsbeauftragten in Deutschland (AGID) forderte bereits 2003 eine Anpassung der Einsichtsrechte an die Informationsfreiheitsgesetzgebung, da derzeit widersprüchlicher Weise die nach den Informationsfreiheitsgesetzen frei zugängliche Akten nach Abgabe an ein Archiv für eine Frist von mehreren Jahrzehnten nicht mehr einsehbar sind.
Weblinks
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/barchg/ Text des Gesetzes über die Sicherung und Nutzung von Archivgut des Bundes (Bundesarchivgesetz)]
- [http://www.lda.brandenburg.de/sixcms/detail.php?gsid=5lbm1.c.84484.de&template=lda_entschl Entschließung der AGID vom Mai 2003: "Gleiche Transparenz in Verwaltung und Archiven"]
Kategorie:Gesetz (Deutschland)
Kategorie:Besonderes Verwaltungsrecht
Kategorie:Archiv
StaatsarchivStaatsarchive (oder Landesarchive) sind staatliche Archive.
Deutschland
In Deutschland sind Staatsarchive die Archive eines Bundeslandes. Ihnen ist gesetzlich die Aufgabe zugewiesen, die archivwürdigen Unterlagen (Urkunden, Akten, Karten, digitale Daten usw.) der Behörden ihres Gebiets (Archivsprengels) dauerhaft aufzubewahren.
Jedes Bundesland hat eine eigene Archivorganisation. In manchen Ländern gibt es ein so genanntes Hauptstaatsarchiv, in anderen ein so genanntes Landes(haupt)archiv. Zum Beispiel besteht das badische Generallandesarchiv Karlsruhe mit dieser Bezeichnung als eines der Staatsarchive in Baden-Württemberg fort. Im Bundesland Sachsen-Anhalt hingegen gibt es nur ein Landeshauptarchiv, das über die drei Abteilungen Magdeburg (mit den Standorten Hegelstraße, Tessenowhalle und Wernigerode), Merseburg und Dessau verfügt. Diesem Beispiel folgte 2005 auch der Freistaat Sachsen.
Siehe auch: Archivsparten, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
Österreich
In Österreich dient als zentrales Staatsarchiv das Österreichische Staatsarchiv, das in Wien seinen Sitz hat.
Weblinks
- [http://www.c-wortmann.de/staatsarchive/index.html Staatsarchive in Deutschland]
- [http://www.lad-bw.de www.lad-bw.de]; Übersicht der staatlichen Archive in Baden-Württemberg
- [http://www.archive.nrw.de Übersicht über Archive in NRW]
Kategorie:Archiv
LandesarchivStaatsarchive (oder Landesarchive) sind staatliche Archive.
Deutschland
In Deutschland sind Staatsarchive die Archive eines Bundeslandes. Ihnen ist gesetzlich die Aufgabe zugewiesen, die archivwürdigen Unterlagen (Urkunden, Akten, Karten, digitale Daten usw.) der Behörden ihres Gebiets (Archivsprengels) dauerhaft aufzubewahren.
Jedes Bundesland hat eine eigene Archivorganisation. In manchen Ländern gibt es ein so genanntes Hauptstaatsarchiv, in anderen ein so genanntes Landes(haupt)archiv. Zum Beispiel besteht das badische Generallandesarchiv Karlsruhe mit dieser Bezeichnung als eines der Staatsarchive in Baden-Württemberg fort. Im Bundesland Sachsen-Anhalt hingegen gibt es nur ein Landeshauptarchiv, das über die drei Abteilungen Magdeburg (mit den Standorten Hegelstraße, Tessenowhalle und Wernigerode), Merseburg und Dessau verfügt. Diesem Beispiel folgte 2005 auch der Freistaat Sachsen.
Siehe auch: Archivsparten, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
Österreich
In Österreich dient als zentrales Staatsarchiv das Österreichische Staatsarchiv, das in Wien seinen Sitz hat.
Weblinks
- [http://www.c-wortmann.de/staatsarchive/index.html Staatsarchive in Deutschland]
- [http://www.lad-bw.de www.lad-bw.de]; Übersicht der staatlichen Archive in Baden-Württemberg
- [http://www.archive.nrw.de Übersicht über Archive in NRW]
Kategorie:Archiv
AdelsarchivEin Adelsarchiv (auch Herrschaftsarchiv, Gutsarchiv) ist das Privatarchiv einer dem historischen Adel angehörigen Familie.
Adelsarchive verwahren oft weit zurückreichende historisch wertvolle Unterlagen. Bei ehemaligen Standesherren befinden sich in diesen Archiven auch Unterlagen öffentlichen Charakters (etwa zur Ausübung der Patrimonialgerichtsbarkeit).
Vielfach sind Adelsarchive durch Kauf oder Depositalvertrag in Staatsarchive oder andere öffentliche Archive gelangt.
In Baden-Württemberg zählte die staatliche Archivverwaltung in nahezu 100 Adelsarchiven über 10000 Regalmeter Akten und über 70000 Urkunden in privater Hand.
Bei noch in den Händen der Adelsfamilien befindlichen Archive besteht ein Anspruch auf Zugang nur auf freiwilliger Basis, es sei denn, es existiert eine aus dem Fideikommissrecht ableitbare Verpflichtung, das Archiv zugänglich zu machen.
Am erfolgreichsten ist die Betreuung der deutschen Adelsarchive in Westfalen organisiert, da sich der Landschaftsverband mit seinem Archivamt in Zusammenarbeit mit den Vereinigten westfälischen Adelsarchiven (ein 1923 gegründeter Verein) um die Nutzung kümmert.
Innerhalb des Verbands der Archivarinnen und Archivare e.V. versammelt die Fachgruppe 4 Archivare an Herrschafts-, Haus- und Familienarchiven die immer weniger werdenden Archivare, die diese Archive betreuen.
Viele große Adelsarchive sind in das Verzeichnis national wertvoller Archive eingetragen, das eine Abwanderung des Kulturguts ins Ausland verhindern soll. Vergleichsweise selten wurden Adelsarchive durch Eintragung in das Denkmalverzeichnis dem Denkmalschutz unterstellt.
In Nordrhein-Westfalen wurden Privatarchive vom Geltungsbereich sowohl des Denkmalschutzgesetzes als auch des Archivgesetzes ausgenommen. Da die Eintragung in das Verzeichnis national wertvoller Archive den Einzelverkauf oder die absichtliche Zerstörung im Inland nicht verhindert, könnte der Eigentümer eines Adelsarchivs dieses von Rechts wegen ungestraft in seinem Schloßhof verbrennen, wenn er die Vorschriften des Immissionsschutzes beachtet. Kritiker halten diese juristische Konsequenz für absurd und mit einem vernünftigen Kulturgutschutz unvereinbar.
Siehe auch
- Fürstlich Leiningensches Archiv Amorbach
Weblinks
- [http://archiv.twoday.net/topics/Herrschaftsarchive Kategorie Herrschaftsarchive in ARCHIVALIA]
- [http://www.adelsarchive.de Vereinigte Westfälische Adelsarchive]
- [http://www.lehre.historicum.net/architutorial/3.htm#a36 Kurzinformation]
- [http://home.bawue.de/~hanacek/info/adelarch.htm Deutsches Adressenverzeichnis]
- [http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/25/verzeichnis_adelsarchive.pdf Adelsarchive in] Baden-Württemberg (PDF)
- [http://www.zoll.de/e0_downloads/a1_vorschriften/a0_gesamtliste_gesetze/schutz_des_kulturgutes_teil_b.pdf Gesamtverzeichnis national wertvoller Archive] (PDF)
Kategorie:Archiv
RundfunkanstaltAls Rundfunkanstalt werden zumeist diejenigen Anstalten öffentlichen Rechts bezeichnet, die mit der Grundversorgung an Hörfunk und Fernsehen beauftragt sind. Rechtliche Grundlage sind die Landesmediengesetze (in manchen Bundesländern unter anderem Namen). Zur Vereinheitlichung der Gesetzgebung und zur Einrichtung bundesweiter Programme (ZDF und Deutschlandradio) vereinbaren die Länder in Staatsverträgen (u. a. Rundfunkstaatsvertrag) gemeinsame Regelungen zur Rundfunkordnung.
Organe
Die Rundfunkanstalten haben i. A. folgende Organe:
- ein Exekutivorgan, welches wichtige Personal-, Struktur- und Programmentscheidungen trifft, je nach Anstalt ein Intendant oder ein mehrköpfiges Gremium. Der Begriff "Intendant" stammt aus der Frühzeit des Rundfunks in der Weimarer Republik, als der politische Wille war, einen politikfreien Rundfunk zu schaffen. An der Spitze der Anstalten standen deshalb oft Personen aus der Welt des Theaters
- ein Kontrollorgan, welches die Entscheidungen der Exekutive kontrolliert, bei wichtigen Entscheidungen berät oder mitbestimmt und einen Rahmen für das Programm vorgibt. Das Organ heißt ja nach Anstalt Rundfunkrat, Fernsehrat (ZDF) o. ä. Darin sind je nach der entsprechenden Gesetzeslage verschiedene gesellschaftliche Gruppen nach einem festen Schlüssel vertreten (z.B. Gewerkschaften, Kirchen, künstlerische und wirtschaftliche Verbände). Kritisiert wird, dass je nach zugrundeliegendem Gesetz ein großer Teil der Mitglieder in den Rundfunkräten durch Landespolitiker bestimmt wird, wenn Landesregierungen und/oder Landesparlamente bei der Ernennung mitwirken.
- einige Anstalten besitzen darüber hinaus einen Verwaltungsrat, der organisatorische Entscheidungen trifft, die weder von der Leitung der Anstalt allein noch vom Rundfunkrat getroffen werden.
Finanzierung
Die Rundfunkanstalten finanzieren sich durch die Rundfunkgebühr, die von Betreibern entsprechender Empfangsgeräte erhoben werden. Zur Bestimmung der Höhe dieser Gebühr ermittelt zunächst eine Expertenkommission (KEF = Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) diejenige Summe, welche die Anstalten für Bestandsschutz und Fortentwicklung benötigen, die laut Bundesverfassungsgericht garantiert werden sollen. Die Landesparlamente entscheiden dann auf dieser Grundlage die Höhe der Gebühr. Die Eintreibung der Gebühren erfolgt durch die GEZ.
Anstalten
GEZ
Unterschieden werden Mehr-Länder-Anstalten wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) (Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) und Anstalten, die nur ein Bundesland versorgen wie der Bayerische Rundfunk (BR). Mehr-Länder-Anstalten veranstalten zur Versorgung der einzelnen Länder jedoch eigene Programme (z. B. SWR Rheinland-Pfalz) und errichten Landesfunkhäuser (z. B. Landesfunkhaus Hannover des NDR) zur Berichterstattung aus den entsprechenden Landeshauptstädten, die nicht Sitz der Anstalt sind, und zur Produktion eigener Programme für die entsprechenden Bundesländer. Die Einteilung der Gebiete entstand zunächst gemäß den Wünschen der Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Briten bevorzugten eine Anstalt für den gesamten von ihnen verwalteten Raum und errichteten den Nordwestdeutschen Rundfunk, der später in NDR und WDR (Westdeutscher Rundfunk) aufgeteilt wurde. Die Amerikaner dagegen bevorzugten eine eher kleinräumliche Einteilung, worauf BR, Süddeutscher Rundfunk (SDR), und Hessischer Rundfunk (HR) entstanden. In der französischen Besatzungszone entstand der SWF Südwestfunk (SWF). Als letzte Anstalt in Westdeutschland wurde der Saarländische Rundfunk (SR) gegründet, nämlich mit dem Beitritt des Saarlandes zum Gebiet der BRD.
Seitdem veränderte sich die öffentlich-rechtliche Rundfunklandschaft einerseits durch die Wiedervereinigung und durch Fusionen (SWF und SDR zu Südwestrundfunk (SWR), Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB) zu Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)). Die kleinste heute noch eigenständige Sendeanstalt ist Radio Bremen (RB). Zur Ausstrahlung des zu dieser Zeit sehr aufwändigen Fernsehprogramms schlossen sich die Anstalten zur Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) zusammen. Innerhalb der ARD ist genau aufgeteilt, welche Rundfunkanstalt wie zu den gemeinsamen Programmen beiträgt (vgl. z. B. die Produktion der Reihe Tatort durch verschiedene Anstalten). Festgelegt ist eine Quote, mit der jede Anstalt entsprechend Finanzkraft und Kapazität zum Unterhaltungs- und Informationsprogramm beiträgt. Auch die Auslandskorrespondenten sind einzelnen Anstalten zugeordnet.
ja:ラジオ放送局
BildarchivEine Bildagentur ist eine Organisation zum Vermarkten von Bildern, sei es Fotografien, Illustrationen oder auch Filmmaterial ("footage"). Im Deutschen werden die Begriffe Bildagentur/ Fotoagentur und Bildarchiv/ Fotoarchiv weitestgehend synonym gebraucht (im Gegensatz zum englischen Sprachraum, wo eine photo agency eine Organisation ist, bei der man Fotografen für Jobs engagieren kann und ein photo archive ein reines Archiv ist).
Typen
Im Wesentlichen kann zwischen zwei Typen von Bildagenturen unterschieden werden:
- rein gewerbliche Bildarchive/ Fotoagenturen, die aktiv das bei ihnen von freien professionellen oder semiprofessionellen Fotografen hinterlegte Bildmaterial gegen eine prozentuale Beteiligung an Bildnutzer vermarkten. Dieses Geschäftsmodell haben die meisten Bildagenturen;
- Fotografengenossenschaften, in denen sich Fotografen zusammenschließen, um eine bessere Kontrolle über ihr Bildmaterial zu haben (Urheberrecht) und den Gewinn unter sich zu teilen. Dabei gibt es teilweise unterschiedliche Eigentümerstufen (Senior- oder Juniorpartner) sowie angestellte Mitarbeiter.
Lizenzierung
Im Wesentlichen kann man hier zwischen lizenzpflichtigem (auch als "rights managed" oder mit dem Akronym "RM" bezeichnetem) sowie im Deutschen irrtümlicherweise als "lizenzfreiem" (im Englischen "royalty free" oder "RF") Bildmaterial unterscheiden.
Während bei lizenzpflichtigem Bildmaterial eine von Art und Umfang sowie Verwendungszweck abhängige Nutzungsgebühr oder Lizenz erworben wird, die nur für die vereinbarte Nutzung gilt, können "lizenzfreie" Bilder einmal erworben (oder "lizenziert") werden und können dann in der Regel unbegrenzt oft wieder verwendet werden. In der Regel sind bei lizenzfreiem Bildmaterial auch sämtliche Rechte geklärt, sodass RF-Bilder in jedem Kontext und zu jedem Zweck (Werbung) verwendet werden können. Sofern Personen auf den Bildern sichtbar sind, liegt so in der Regel ein gezeichnetes "Model Release" vor, das prospektive Lizenznehmer von nachträglichen Anspuchsforderungen der abgebildeten Personen freistellt. Insbesondere im Bereich der Werbung wird gerne auf "lizenzfreies" Bildmaterial (,das häufig auf themenbezogenen CD-Kollektionen angeboten wird) zurückgegriffen. Im editorialen Bereich dagegen wird hauptsächlich auf lizenzpflichtiges Bildmaterial zurückgegriffen. Zu nahezu 100 % ist das von Presseagenturen angebotene aktuelle Bildmaterial lizenzpflichtig. In letzter Zeit ist der Trend zu beobachten, beide "Welten" im Rahmen eines "easy licensing" einander anzunähern bzw. zu verschmelzen.
Geschichte
Zu den ersten kommerziellen Bildarchiven gehört das Bettman-Archiv aus New York City, das Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Einzug der Fotografie in die Presseberichterstattung gegründet wurde. Hier wurden zum ersten Mal für die Verwendung von professionellem Bildmaterial Lizenzgebühren erhoben. Im Laufe der Jahrzehnte konzentrierten sich in diesem Archiv zeithistorisch bedeutsame Aufnahmen in einer Konzentration und Qualität, dass es nicht übertrieben scheint, festzustellen, dass unser aller Bild von der Welt wesentlich von den Fotografien, die über dieses Archiv vermarkten wurden, geprägt wurde. Sei es die Invasion US-amerikanischer Truppen in der Normandie am D-Day, Marilyn Monroe auf dem New Yorker U-Bahn-Schacht bei den Dreharbeiten zu "Das verflixte Siebente Jahr" oder die Bilder von Lewis W. Hines zum Aufbau des Empire State Buildings in New York während der wirtschaftlichen Depression: die Urheberrechte lagen bei Bettman.
Beispielhaft für Bildagenturen im Berlin der Zwanziger Jahre war die "Photothek" des Pressefotografen Willy Römer. Sein umfangreiches Archiv überstand den Zweiten Weltkrieg - eine glückliche Ausnahme, der wir viele wichtige Aufnahmen aus der Zeit der Weimarer Republik verdanken.
Einen Namen als Zeitgeist, Epochen, Ästhetik und unser Verständnis von Fotografie allgemein prägende Institution hat sich vor allem das u.a. von Henri Cartier-Bresson und Robert Capa gegründete und in Paris ansässige Bildarchiv Magnum Photos erworben. Diese Agentur dominierte vor allem zwischen den 50er und 70er Jahren Jahren die Bebilderung der großen Illustrierten der Welt, sei es Time Magazine, Newsweek, Life, Stern oder Paris Match, und prägte damit unsere Vorstellung von der klassischen Fotoreportage. Magnum machte sich auch besondere Verdienste um die Wahrung der Urheberrechte für die Fotografen und eine angemessene Bezahlung.
Neben diesen geheiligten Stätten der Fotografie hatten sich parallel vor allem Bildarchive herausgebildet und etabliert, die dem Affen Zucker, also den Illustrierten und der Werbung Bildmaterial zuführten, die diese sorgefrei nutzen konnten. Gemeinsam war der Bilderbranche bis in die späten 80er Jahre Jahre, dass es vor allem mittelständische Unternehmungen waren, die hier aktiv wurden. Nur wenige Archive konnten signifikantere Marktanteile an sich ziehen und in Konzerngröße auswachsen. Doch im Zuge des Computerzeitalters sollte sich dies ändern.
Getty Images und Corbis sind die heute multinationale Konzerne und die größten Bildagenturen der Welt mit jeweils über 70 Millionen digitalisierten Bildern, von denen ein Teil über das Internet abgerufen und lizenziert werden kann. Beiden Agenturen ist gemeinsam, dass Sie erst vor relativ kurzer Zeit, d.h. Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre, entstanden sind und mit enormen finanziellen Ressourcen ausgestattet (Eigentümer von Corbis ist Microsoft-Chef Bill Gates; von Getty der Milliardenerbe Mark Getty) sich systematisch die Rechte an Medieninhalten gesichert haben. Im Gegensatz zum beschaulichen Bildergeschäft vor Getty und Corbis steht dahinter die Vision, dass geistiges Eigentum das "Öl des 21. Jahrhunderts" ist (Mark Getty).
Die Geschäftspraktiken von Corbis und Getty sowie der allgemeine Zwang zur Digitalisierung hat die überwiegend mittelständisch geprägte Agenturlandschaft in den letzten Jahren tiefgreifend verändert. Während zahlreiche namhafte Archive ihren Betrieb aufgeben mussten, sind im Zuge der Digitalisierung neue Agenturen entstanden, die von Anfang an ihr Bildmaterial digital angeboten haben. Das Land mit der international größten Agenturdichte sowie den meisten angeschlossenen Technologieprovidern ist Deutschland.
Die kommerziell erfolgreichsten Bildarchive bedienen in der Regel die Bedürfnisse der Boulevardpresse. Das 1997, nach dem Unfalltod von Prinzessin Diana, in massive Kritik geratene Paparazzi-Handwerk ist das mit Abstand erfolgreichste in der Branche.
Siehe auch
- Bilddatenbank
- Bildrechte
- Fotografie
- Fotojournalismus
- IPTC
- Liste von Bildagenturen
Weblinks
- [http://www.fotostoria.de/?page_id=72 Liste nichtkommerzieller Bildarchive]
Kategorie:Archiv
Kategorie:Fotopraxis
ArchivwesenHinweis: Hier entsteht die Vorarbeit zu einer Portalseite zum Archivwesen, deren Inhalte in einem zweiten Schritt mit dem Artikel Archiv abzugleichen sind.
Das Archivwesen ist das organisatorische Geflecht der Facharchive. Prägend sind im deutschsprachigen Bereich die öffentlichen Staats- und Kommunalarchive, in denen hauptamtliche Archivare mit fachlicher Ausbildung beschäftigt sind. Das Berufsbild wird in Deutschland traditionell stark bestimmt von Beamten des höheren Dienstes, Archivaren, die ihre Ausbildung auf den Archivschulen in Marburg und München erhalten haben.
Die Archivschulen bieten auch Weiterbildungsmaßnahmen an, ebenso die Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V.
Neben den 'öffentlichen' Archiven bestehen auch zahlreiche Privatarchive, z. B. Adels-, Familien-, Wirtschafts- und Firmenarchive. Hier sind häufig auch 'Seiteneinsteiger', also Archivare ohne spezifische Archivausbildung tätig, die sich beispielsweise aus persönlichem Interesse oder durch eine für das jeweilige Archiv fachspezifische Vorbildung als Historiker oder Ingenieur für diese Arbeit qualifiziert haben.
Als wichtigste Aufgabenfelder in den "klassischen" Archiven, den Staatsarchiven und Kommunalarchiven, gelten:
Archivische Bewertung
Die Archivische Bewertung entscheidet über die Archivwürdigkeit der in den Registraturen oder im Zwischenarchiv vorhandenen Unterlagen, die den Archiven angeboten werden. Unterlagen, die nicht bleibend aufbewahrungswürdig sind, werden vernichtet - man spricht im Archivwesen von Kassation, in Österreich von Skartierung. Eine wichtige Aufgabe der Archive ist die Beratung der Verwaltung bzw. der ihnen zugeordneten Provenienzstellen hinsichtlich der Organisation der Schriftgutverwaltung bzw. neuerdings der digitalen Unterlagen
Bestandserhaltung
Bei der Bestandserhaltung kooperieren Archive, Bibliotheken und Museen zunehmend. Konservierung und Restaurierung sollen die Langzeitarchivierung garantieren.
Ein Sicherheitsmanagement dient der Vorkehrung gegen Diebstahl von Archivgut oder Katastrophen.
Geht es um Ersatzdokumentation, gilt immer noch der Mikrofilm als Medium der ersten Wahl.
Archivische Erschließung
Übernommene Unterlagen werden nach dem Provenienzprinzip zu bereits bestehenden oder neu zu bildenden Beständen zusammengefügt. Die Gesamtgliederung der Archivbestände eines Archivs wird als Tektonik bezeichnet. Die Gesamtübersicht, die mitunter bereits im Internet einsehbar ist, dokumentiert die Tektonik und charakterisiert kurz die einzelnen Bestände.
Auf der Ebene der Bestände erfolgt die Erschließung durch Erstellung von Findmitteln, in denen der Inhalt der einzelnen Archivalieneinheiten durch eine Inhaltsangabe beschrieben wird. Traditionell dienten Repertorien oder Findbücher der Erschließung von Akten- oder Urkundenbeständen, während andere Unterlagen in Karteiform verzeichnet wurden. Das Erschließen wird auch Verzeichnen genannt.
Wichtige Elemente des archivischen Verzeichnens sind die Signatur, die Aufnahme des Titels und die Laufzeit. Mit der Signatur (auch Bestandssignatur) wird die Bestandseinheit eindeutig in der Tektonik des Archivs lokalisiert.
Heute werden in den meisten Archiven die Bestände mit EDV erschlossen, wobei Ausdrucke der mit Archivsoftware bzw. Archivprogrammen erstellten Datenbanken dem Benutzer vorlegt werden.
Anlage ergänzender Sammlungen
In der Regel gibt es in allen Archiven Sammlungen von Materialien, die das "klassische" Archivgut, das von den abgebenden Stellen übernommen wird, ergänzen, beispielsweise zeitgeschichtliche Sammlungen. Hierzu wird auch die Übernahme von Nachlässen gezählt. Fast alle Archive haben mehr oder minder große Dienstbibliotheken, die vor allem im Bereich landes- und regionalgeschichtlicher Literatur nicht selten hervorragende Bestände aufweisen.
Benutzungsservice
Die Archive haben sich weitgehend für die allgemeine Benutzung geöffnet. Neben der Benutzung vor Ort im Benutzerraum oder Lesesaal ist die Auskunftserteilung via Post, Telefon oder Mail immer wichtiger geworden.
Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit
In welchem Umfang sich die Archive an der Auswertung und Vermittlung des Archivguts im Rahmen von Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit beteiligen sollen, ist umstritten. Als Oberbegriff der Bildungsarbeit hat sich Archivpädagogik etabliert. Öffentlichkeitsarbeit erfolgt meist durch Führungen, Ausstellungen, eigene Publikationen und zunehmend auch im Internet. Schwerpunkt der Publikationstätigkeit von Archivaren sind Quelleneditionen, Arbeiten zu den Historischen Hilfswissenschaften oder zur Archivgeschichte.
Ausbildung und Fortbildung
Nur in großen Archiven wird für den Archivberuf ausgebildet. Die Archivausbildung des öffentlichen Dienstes für den höheren und gehobenen Dienst erfolgt für die meisten Bundesländer traditionell überwiegend an der Archivschule Marburg, die auch ein Fortbildungsangebot anbietet.
Daneben bietet der [http://informationswissenschaften.fh-potsdam.de/index.php?id=817 Fachbereich Informationswissenschaften] der [http://www.fh-potsdam.de Fachhochschule Potsdam] seit 1993 eine verwaltungsexterne Ausbildung zum/zur Diplom-Archivar/-in. Grundlage der Ausbildung bildet die Integration der drei informationswissenschaftlichen Disziplinen Archiv-, Bibliotheks- und Dokumentationswissenschaft. der Fachbereich bildet Archivare für alle Archivsparten aus. Zum WS 2004/2005 erfolgt die Umstellung auf Bachelor. Zukünftig soll es auch ein Master-Programm geben. Der Diplom-Archviar kann in Potsdam auch im Fernstudium erworben werden.
Archivrecht
Die Aufgabenerfüllung der Archive wirft eine Fülle von Rechtsfragen auf, die einige wenige Kenner des Archivrechts verwaltungsintern oder in Publikationen erörtern. Auch das Urheberrecht spielt, insbesondere bei Veröffentlichungen aus Archivmaterial, eine wichtige Rolle.
Archivische Denkmalpflege
Die meist von den Staatsarchiven betriebene Archivische Denkmalpflege kümmert sich um wertvolle Privatarchive, etwa um Adelsarchive.
Weblinks
- [http://www.uni-marburg.de/archivschule/ Archivschule Marburg]
- [http://informationswissenschaften.fh-potsdam.de/index.php?id=817 FB ABD/FH Potsdam]
- [http://www.wirtschaftsarchive.de/ Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V.]
Literatur
- Evelyn Kroker, Renate Köhne-Lindenlaub, Wildfried Reininghaus (Herausg.): Handbuch für Wirtschaftsarchive. Theorie und Praxis. R. Oldenbourg Verlag München 1998. ISBN 3-486-56365-3
Siehe auch
Archivsparten, Archivkunde, Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare
Kategorie:Archiv
Bierdeckel
Der Bierdeckel dient in der Regel als Unterlage für Biergläser und Bierkrüge. Runde Bierdeckel haben standardmäßig einen Durchmesser von 107 Millimeter, allerdings sind auch quadratische Bierdeckel verbreitet. Sie sind 1,2 mm bis 1,5 mm dick, wiegen zwischen 5 g und 10 g und sind häufig aus Pappe.
Geschichte
Im 19. Jahrhundert tranken die reicheren Leute das Bier aus Bierseideln mit Deckeln aus Zinn oder Silber. Einfachere Leute benutzten Krüge ohne Deckel. Als Untersetzer dienten damals Filze, die so genannten Bierfilze. Trank man Bier im Freien, dann legte man diese Filze auf den Krug, damit kein Ungeziefer und kein Laub das Bier verunreinigte. Aus dieser Funktion des Abdeckens stammt der Name Bierdeckel. Diese Bierfilze waren meist feucht und begünstigten die Vermehrung von Bakterien, sie waren also recht unhygienisch.
Hinzu kam das Problem ihrer Wiederverwendung. Die feuchten Bierfilze wurden von der Bedienung beim Abräumen wieder eingesammelt und in Bierfilzständern, Einsätzen oder dachziegelartig aufgereiht luftgetrocknet.
1880 stanzte die Kartonagenfabrik und Druckerei Friedrich Horn in Buckau bei Magdeburg Bierglasuntersetzer aus Pappe und druckte verschiedene Motive auf.
Schließlich erfand Robert Sputh aus Dresden 1893 den Vorläufer des heutigen Bierdeckels, die so genannten Holzfilzplatten oder Faserguß-Untersetzer (Patent 68499 für das Herstellungsverfahren): Papierbrei wurde in runde Formen gefüllt und getrocknet. Diese Holzfilzplatten hatten bereits einen Durchmesser von 107 Millimeter und waren 5 Millimeter dick.
Runde Bierdeckel mit einem Durchmesser von 110 mm und einer Dicke zwischen 4 und 8 mm stieß ein so genannter Bierteller-Automat aus. Diese Maschine verarbeitete eine breiige Pappmasse und war zwischen 1930 und 1960 in Deutschland verbreitet, setzte sich aber letztlich nicht durch.
1903 begann Casimir Otto Katz im baden-württembergischen Murgtal (Schwarzwald) die bis heute gebräuchlichen Bierdeckel industriell herzustellen. Sie werden aus frischem Fichtenholz hergestellt. Dessen lange Fasern sind sehr saugfähig. Aus den Baumstämmen wird ein Brei hergestellt, dem man dann Wasser entzieht. 2003 - am 100sten Geburtstag des Bierdeckels – wurden pro Tag 10 Millionen Stück bzw. pro Jahr 1,4 Milliarden Stück ausgeliefert.
Weitere Bezeichnungen
- Bierteller
- Bierfilz (in Franken ist bis heute vom "Bierfilzla" die Rede)
- Bierfuizl (in Bayern übliche Bezeichnung)
- Getränkeuntersetzer
- BGU = Bierglasuntersetzer
Funktionen des Bierdeckels
- Der Hauptzweck des Bierdeckels ist es, das Kondenswasser (welches sich durch die warme Umgebungsluft an der Außenseite des kalten Bierglases bildet und nach unten läuft) aufzusaugen, wenn es vom Glas (wenn es zum Trinken angehoben und geneigt wird) tropft.
- Durch seinen Aufdruck dient er als Werbeträger.
- Es gibt Vereine für Bierdeckelsammler. Siehe Weblinks unten.
- Anschreiben lassen: Der Deckel wird in einigen Regionen von der Bedienung genutzt, um zu vermerken, wie viel der Gast bezahlen muss (siehe Kerbholz).
- Zwei quadratische Bierdeckel dienen als Tableau beim Stoßspiel
- Auf der Rückseite unbedruckte Exemplare werden gerne als Merk- oder Erinnerungszettel beschriftet und eingesteckt. Sie ersetzen damit den Knoten im Taschentuch.
- Verbreiten von Sinn- oder Merksprüchen oder Zitaten (neben der Werbung).
- Unterlage unter wackligen Stühlen im Biergarten oder Tischbeinen.
- Spielzeug für Kinder (z.B. Bau einer Pyramide aus Bierdeckeln)
Weblinks
- [http://www.ibv1958.de/ Int. Brauereikultur-Verband e.V. : Bierdeckel-Sammlerverband seit 1958]
- [http://www.deckel.info/ Abbildung aller Bierdeckel]
- [http://www.coaster.ch/ Bettinas Bierdeckelsammlung]
- [http://www.bier-deckel.de/ Bierdeckelsammlung von V. Sand]
- [http://www.bierdeckelsammler.net/ bierdeckelsammler.net - Bierdeckelsammlung]
- [http://www.pgatzhammer.de/ Bierdeckelsammlung Paul P. Gatzhammer]
- [http://www.goetz-ipp.com/ Bierdeckelfabrik in der Oberpfalz]
- [http://www.ddr-bierdeckel.de/ DDR Bierdeckel]
Kategorie:Bier
MuseumDas Museum ([alt]griechisch μουσείο[ν], muussío - ursprünglich das Heiligtum der Musen, welche Schutzgöttinnen der Künste, Kultur und Wissenschaften waren) ist eine Institution, die eine Sammlung interessanter Gegenstände für die Öffentlichkeit ausstellt. Meistens wird heute von den Besuchern ein Eintrittsgeld erhoben, das dem Erhalt der Sammlung und der Anlage zugute kommt; oftmals ist es an einem Tag in der Woche oder wenigstens zu bestimmten Stunden eines Tages möglich, einzelne Museen unentgeltlich zu besuchen.
Übersicht
Besuchern
Ziel eines Museums ist es, Gegenstände (Exponate) aus zumeist vergangenen Zeiten zu einem
bestimmten Thema fachgerecht und dauerhaft aufzubewahren und den Besuchern in
Dauer- oder Wechselausstellungen zugänglich zu machen.
Der Deutsche Museumsbund macht in seiner Definition von 1978 noch weitere Einschränkungen: so darf ein (öffentliches) Museum keine kommerzielle Struktur aufweisen, muss fachlich geleitet und wissenschaftlich betreut werden.
In gängigen Lexika wird unter dem Begriff Museum meist auf die Aufgaben Sammeln, Bewahren, Wiederherstellen, Erforschen und Vermitteln verwiesen.
Heute leiden fast alle Museen unter Budgetknappheit. Die obige Definition sollte daher kein Hindernis sein, durch ansprechende Präsentationen bzw. Ausstellungsräume genügend Publikum "anzulocken". In gewisser Weise müssen Museen auch dem Zeitgeschmack Rechnung tragen und den Besuchern eine klare Struktur, Querverbindungen und auch die Möglichkeit zu eigenem Tun bieten. Vielfach ist deshalb u.a. ein Museums-Shop angeschlossen.
Die Gegenstände, die in Museen bewahrt und gezeigt werden, sollen nach der Überzeugung der Wissenschaft in Deutschland Zeugnisse aus der Geschichte der Menschheit sein. Sie sollen den Ablauf unserer historischen, technischen, soziokulturellen, unserer physischen, psychischen und philosophischen, aber auch unserer künstlerischen Entwicklung aufzeigen. Dennoch kreieren z.B. Technische Museen eine neue "Mode", indem sie die ausgestellten historischen Exponate reduzieren - zugunsten einer besseren Didaktik durch Aktivierung der Betrachter.
Eine Sonderform der "normalen" Museen stellen in diesem Sinn die Kindermuseen dar, in denen weniger historische Kostbarkeiten präsentiert werden, sondern Exponate, die Kindern Spaß machen, sie zum Staunen bringen und spielerisch Wissen vermitteln (z.B. das lebensgroße, begehbare Modell einer menschlichen Zelle).
Museen gingen oftmals aus fürstlichen Wunderkammern bzw. Kunstkammern oder speziellen Kunstsammlungen hervor und Johann Daniel Major eröffnete 1688 in Kiel ein öffentliches natur- und kulturgeschichtliches Landesmuseum, das Museum Cimbricum. In nur einigen Städten im deutschen Sprachgebiet kam es im 19. Jahrhundert zu bürgerlichen Neugründungen: Kunstmuseum Basel (das aus dem bürgerlichen Amerbach-Kabinett hervorging), Kunsthalle Bremen, Städelsches Kunstinstitut in Frankfurt, Hamburger Kunsthalle, Kunsthalle Wien etc. Vielfach sind jedoch Vereine - in kleinerem Stil bzw. für lokale Gegebenheiten tätig geworden, z.B. Bezirks- oder Bergbaumuseen.
In Kassel wurde 1779 das Fridericianum gebaut. Es war nach dem Britischen Museum das zweite öffentliche Museum, aber das erste als Museum konzipierte Bauwerk der Welt.
Museologie
Die Wissenschaft und Lehre von der Geschichte und Einrichtung der musealen Sammlungen als materielle Archive (Kulturbehälter) - gesetzlich vorgeschrieben z.B. für Bodenfunde - ist die Museologie oder Museumskunde (Institut für Museumskunde). Hierzu gehören auch die Dokumentation und Restaurierung von Museumsgut.
Museumspädagogik
Die Wissenschaft und Lehre von der Vermittlung des Sammlungsgutes ist die Museumspädagogik.
Berühmte Museen
- Liste bekannter Museen
- Liste deutscher Museen
- nach Orten (bundesweit)
- Museen in Baden-Württemberg
- Museen in Bayern
- Museen in Berlin
- Museen in Hessen
- ... (wird fortgesetzt)
- nach Themen
- Liste österreichischer Museen
- nach Orten
- Liste Schweizer Museen
- nach Orten
- Liste Südtiroler Museen
- nach Orten
Literatur
Bücher
- Pierre Bourdieu et Alain DARBEL, L'Amour de l'art, Paris, Les Editions de Minuit, 1967
- Jean-Louis DEOTTE , Le musée, l'origine de l'esthétique, Paris, L'harmattan, 1993
- Tony Bennett, The Birth of the Museum: History, Theory, Politics, Routledge, 1995
- Joachim Kallinich, Keine Atempause - Geschichte wird gemacht : Museen in der Erlebnis- und Mediengesellschaft , Antrittsvorlesung 12. Februar 2002, Berlin : Humboldt-Univ., 2003
- Grasping the world : the idea of the museum, ed. by Donald Preziosi and Claire Farago, Aldershot [u.a.] : Ashgate, 2004
- Friedrich Waidacher, Museologie - knapp gefasst, Mit einem Beitrag von Marlies Raffler, Wien [u.a.] : Böhlau, 2005
- Volker Kirchberg, Gesellschaftliche Funktionen von Museen : makro-, meso- und mikrosoziologische Perspektiven, Wiesbaden : VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2005
Zeitschriften
- Zeitschrift für Museum und Bildung
Siehe auch
- Freilandmuseum, Schulmuseum
- Wunderkammer
- Kunstkammer
- Museum unter Wasser
Weblinks
- [http://www.smb.spk-berlin.de/ifm/index.html Institut für Museumskunde Berlin]
- [http://www.icom-deutschland.de/ Internationaler Museumsrat Deutschland]
- [http://www.museumsbund.de/ Deutscher Museumsbund]
- [http://www.h-museum.net H-Museum]
- [http://www.vl-museen.de/ Virtual Library Museen]
- [http://www.webmuseen.de/ Webmuseen.de]
!
ja:博物館
ms:Muzium
th:พิพิธภัณฑ์
Elektronische ArchivierungElektronische Archivierung steht für die unveränderbare, langzeitige Aufbewahrung elektronischer Information. Für die elektronische Archivierung werden in der Regel spezielle Archivsysteme eingesetzt. Der Begriff Elektronische Archivierung fasst unterschiedliche Komponenten zusammen, die im angloamerikanischen Sprachgebrauch separat als "Records Management", "Storage" und "Preservation" bezeichnet werden. Der wissenschaftliche Begriff eines Archivs und der Archivierung ist inhaltlich nicht identisch mit dem Begriff, der von der Dokumentenmanagementbranche verwendet wird.
Elektronische Archivierung
Der Begriff der elektronischen Archivierung wird sehr unterschiedlich benutzt. Während heute Unternehmen schon Aufbewahrungsfristen von 10 Jahren für handelsrechtlich und steuerlich relevante Daten und Dokumente als nur sehr schwierig umsetzbar sehen, wird in historischen Archiven von einer sicheren, geordneten und jederzeit zugreifbaren Aufbewahrung von Informationen mit Speicherzeiträumen von 100, 200 oder gar 300 Jahre gesprochen. Angesichts der sich ständig verändernden Technologien, immer neuer Software, Formate und Standards, eine gigantische Herausforderung für die Informationsgesellschaft.
Archivierung ist kein Selbstzweck. Die Aufbewahrung, Erschließung und Bereitstellung von Information ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit moderner Unternehmen und Verwaltungen. Mit dem exponentiellen Wachstum elektronischer Information wachsen die Probleme der langzeitigen Aufbewahrung obwohl moderne Softwaretechnologien wesentlich besser geeignet sind, Informationen zu verwalten, als dies herkömmlich mit Papier, Aktenordnern und Regalen möglich war. Immer mehr Information entsteht digital und die Ausgabe als Papier ist nur noch eine mögliche Repräsentation des ursprünglichen elektronischen Dokuments. Durch den Einsatz elektronischer Signaturen erhalten elektronische Dokumente den gleichen Rechtscharakter wie ursprünglich manuell unterzeichnete Schriftstücke. Solche digitalen Dokumente existieren rechtskräftig nur noch in elektronischer Form. Diese Entwicklungen zwingen inzwischen jedes Unternehmen sich verstärkt mit dem Thema elektronische Archivierung auseinander zu setzen.
Definitionen
In Deutschland haben sich für die elektronische Archivierung zwei Definitionen eingebürgert:
Elektronische Langzeitarchivierung
:Man spricht von Langzeitarchivierung, wenn die Informationen mindestens 10 Jahre und länger aufbewahrt und zugreifbar gehalten werden.
Der Begriff Langzeitarchivierung ist im Prinzip ein "weißer Schimmel", ein Pleonasmus, da Archivierung den Langzeitaspekt bereits impliziert.
Revisionssichere elektronische Archivierung
:Man spricht von revisionssicherer Archivierung, wenn die Archivsystemlösung den Anforderungen des Handelsgesetzbuches §§ 239, 257 HGB sowie der Abgabenordnung und den GoBS an die sichere, ordnungsgemäße Aufbewahrung von kaufmännischen Dokumenten entspricht und die Aufbewahrungsfristen von sechs bis zehn Jahren erfüllt.
Das HGB (HGB) und die Abgabenordnung (AO) geben hier die Grundlagen für die Speicherung, unabhängig ob in herkömmlichen Papierarchiven oder elektronischen Systemen, vor:
: - Ordnungsmäßigkeit
: - Vollständigkeit
: - Sicherheit des Gesamtverfahrens
: - Schutz vor Veränderung und Verfälschung
: - Sicherung vor Verlust
: - Nutzung nur durch Berechtigte
: - Einhaltung der Aufbewahrungsfristen
: - Dokumentation des Verfahrens
: - Nachvollziehbarkeit
: - Prüfbarkeit
Diese Kriterien sind fachlich definiert und bedürfen der Interpretation, wenn es um die Umsetzung in technischen Systemen geht.
Die Anforderungen sind in dem Code of Practice "Grundsätze der elektronischen Archivierung" des VOI Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. 1996 zusammengefasst worden. Die Definition für revisionssichere Archivierung stammt von Ulrich Kampffmeyer bereits aus dem Jahr 1992. International ist die Funktionalität und der Umfang von elektronischen Archiven in der ISO Norm 17421 und der von Records Management Systemen in der ISO 15489 definiert. In Deutschland kann unter dem Aspekt der Sicherheit und Prüfung von Archivsystemen das BSI Grundschutzhandbuch (Kapitel 9.5) herangezogen werden.
Zehn Merksätze zur revisionssicheren Archivierung
Die folgenden 10 Merksätze zur revisionssicheren elektronischen Archivierung stammen von [http://www.voi.de VOI] Verband Organisations- und Informationssysteme e. V.:
# Jedes Dokument muss unveränderbar archiviert werden
# Es darf kein Dokument auf dem Weg ins Archiv oder im Archiv selbst verloren gehen
# Jedes Dokument muss mit geeigneten Retrievaltechniken wieder auffindbar sein
# Es muss genau das Dokument wiedergefunden werden, das gesucht worden ist
# Kein Dokument darf während seiner vorgesehenen Lebenszeit zerstört werden können
# Jedes Dokument muss in genau der gleichen Form, wie es erfasst wurde, wieder angezeigt und gedruckt werden können
# Jedes Dokument muss zeitnah wiedergefunden werden können
# Alle Aktionen im Archiv, die Veränderungen in der Organisation und Struktur bewirken, sind derart zu protokollieren, dass die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes möglich ist
# Elektronische Archive sind so auszulegen, dass eine Migration auf neue Plattformen, Medien, Softwareversionen und Komponenten ohne Informationsverlust möglich ist
# Das System muss dem Anwender die Möglichkeit bieten, die gesetzlichen Bestimmungen (BDSG, HGB/AO etc.) sowie die betrieblichen Bestimmungen des Anwenders hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz über die Lebensdauer des Archivs sicherzustellen
Umsetzung der Anforderungen in elektronischen Archivsystemen
Zur Erfüllung dieser Vorgaben wurden Archivsysteme bestehend aus Datenbanken, Archivsoftware und Speichersystemen geschaffen, die in Deutschland von zahlreichen Herstellern und Systemintegratoren angeboten werden. Diese Systeme basieren meistens auf dem Ansatz über eine Referenzdatenbank mit den Verwaltungs- und Indexkriterien auf einen externen Speicher zu verweisen, in dem die Informationsobjekte gehalten werden. Diese sogenannte Referenz-Datenbank-Architektur war notwendig, um große Mengen von Informationen von den zwar schnellen aber teueren Online-Speichern in separate Archivspeicher auszulagern. Die Datenbank erlaubt über den Index dabei jederzeit das Dokument wieder zu finden und mit einem entsprechenden Anzeigeprogramm dem Anwender bereitzustellen. In den Frühzeiten dieser Technologie handelte es sich meistens um sehr geschlossene, eigenständige Systeme, die praktisch zu „Inseln“ in der IT-Landschaft führten. Heute gliedern sich Archivsysteme als nachgeordnete Dienste in die IT-Infrastruktur ein, werden direkt von Bürokommunikations- und Fachanwendungen bedient und stellen diesen Anwendungen auch die benötigten Informationen zur Verarbeitung und Anzeige wieder zur Verfügung. Für den Anwender ist es dabei unerheblich, wo die benötigte Information gespeichert ist, Archivspeichersysteme und die Speicherorte der Dokumente sind für ihn unerheblich. Die Diskussion um das „richtige“ Speichermedium für die elektronische Archivierung führen meistens nur die IT-Fachleute, Projektmitarbeiter und Rechtsabteilungen wenn es um die Auswahl und Einführung eines elektronischen Archivsystems geht.
Funktionale Anforderungen an ein elektronisches Archivsystem
Elektronische Archivsysteme zeichnen sich durch folgende eigenständige Merkmale aus:
: - programmgestützter, direkter Zugriff auf einzelne Informationsobjekte, landläufig auch Dokumente genannt, oder Informationskollektionen, z.B. Listen, Container mit mehreren Objekten etc.
: - datenbankgestütze Verwaltung der Informationsobjekte auf Basis von Metadaten und gegebenenfalls Volltexterschließung der Inhalte der archivierten Informationsobjekte
: - Unterstützung verschiedener Indizierungs- und Recherchestrategien, um auf die gesuchte Information direkt zugreifen zu können
: - Einheitliche und gemeinsame Speicherung beliebiger Informationsobjekte, vom gescannten Faksimile über Word-Dateien bis hin zu komplexen XML-Strukturen, Listen oder ganzen Datenbankinhalten
: - Verwaltung von Speichersystemen mit nur einmal beschreibbaren Medien einschließlich des Zugriffs auf Medien die sich nicht mehr im Speichersystem direkt befinden
: - Sicherstellung der Verfügbarkeit der gespeicherten Informationen über einen längeren Zeitraum, der Jahrzehnte betragen kann
: - Bereitstellung von Informationsobjekten unabhängig von der sie ursprünglich erzeugenden Anwendung auf verschiedenen Clienten und mit Übergabe an andere Programme
: - Unterstützung von „Klassen-Konzepten“ zur Vereinfachung der Erfassung durch Vererbung von Merkmalen und Strukturierung der Informationsbasis
: - Konverter zur Erzeugung von langfristig stabilen Archivformaten und Viewer zur Anzeige von Informationsobjekten, für die die ursprünglich erzeugende Anwendung nicht mehr zur Verfügung steht
: - Absicherung der gespeicherten Informationsobjekte gegen unberechtigten Zugriff und gegen Veränderbarkeit der gespeicherten Information
: - Übergreifende Verwaltung unterschiedlicher Speichersysteme, um z.B. durch Zwischenspeicher (Caches) schnellen Zugriff und zügige Bereitstellung der Informationen zu gewährleisten
: - Standardisierte Schnittstellen, um elektronische Archive als Dienste in beliebige Anwendungen integrieren zu können
: - Eigenständige Wiederherstellungsfunktionalität (Recovery), um inkonsistent gewordene oder gestörte Systeme aus sich heraus verlustfrei wieder aufbauen zu können
: - Sichere Protokollierung von allen Veränderungen an Strukturen und Informationsobjekten, die die Konsistenz und Wiederauffindbarkeit gefährden können und dokumentieren, wie die Informationen im Archivsystem verarbeitet wurden
: - Unterstützung von Standards für die spezielle Aufzeichnung von Informationen auf Speichern mit WORM-Verfahren, für gespeicherte Dokumente und für die Informationsobjekte beschreibende Metadaten um eine langfristige Verfügbarkeit und die Migrationssicherheit zu gewährleisten
: - Unterstützung von automatisierten, nachvollziehbaren und verlustfreien Migrationsverfahren
All diese Eigenschaften sollten deutlich machen, dass es nicht um hierarchisches Speichermanagement oder herkömmliche Datensicherung geht. Elektronische Archivsysteme sind eine Klasse für sich, die als nachgeordnete Dienste in jede IT-Infrastruktur gehören.
Speichertechnologien für die elektronische Archivierung
Bei den elektronischen Speichertechnologien muss man heute eine Trennung zwischen der Verwaltungs- und Ansteuerungssoftware einerseits und den eigentlichen Speichermedien andererseits machen. Herkömmliche magnetische Speichermedien gelten als nicht geeignet für die elektronische Archivierung, da die gespeicherten Informationen jederzeit geändert und überschrieben werden können. Dies betrifft im besonderen Maße Festplatten, die von Betriebssystemen dynamisch verwaltet werden. Magnetische Einflüsse, „Head-Crashs“ und andere Risiken wiesen den Festplatten die Rolle der reinen Onlinespeicher zu. Bei Magnetbändern kam neben der Löschbarkeit hinzu, dass diese hohen Belastungen und Abnutzungen sowie magnetischen Überlagerungen bei zu langer Aufbewahrung unterliegen. In den 80er Jahren wurden daher spezielle digital-optische Speichermedien entwickelt, die in ihrem Laufwerk mit einem Laser berührungsfrei nur einmal beschrieben werden können. Diese Speichertechnologie bezeichnet man als WORM „Write Once, Read Multiple Times“. Die Speichermedien selbst waren durch ihre physikalischen Eigenschaften gegen Veränderungen geschützt und boten eine wesentliche höhere Lebensdauer als die bis dahin bekannten magnetischen Medien.
In diese Kategorie von Speichermedien fallen heute folgende Typen:
CD-WORM
WORM
:Nur einmal beschreibbare Compact Disk Medien mit ca. 650 MegaByte Speicherkapazität. Die Speicheroberfläche im Mediums wird beim Schreiben irreversibel verändert. CD-Medien sind durch die ISO 9660 standardisiert und kostengünstig. Die Qualität mancher billiger Medien ist aber für eine Langzeitarchivierung als nicht ausreichend zu erachten. Für Laufwerke und Medien gibt es zahlreiche Anbieter. Die Ansteuerung der Laufwerke wird von den Betriebssystemen direkt unterstützt.
DVD-WORM
:Ähnlich wie die CD wird bei der DVD-WORM die Speicheroberflächen irreversibel im Medium verändert. DVD sind derzeit noch nicht einheitlich genormt und bieten unterschiedliche Speicherkapazitäten zwischen 4 und 17 GigaByte. Beim Einsatz für die Archivierung ist daher darauf zu achten, das Laufwerk und Medien den Anforderungen der langzeitigen Verfügbarkeit gerecht werden. Es gibt auch hier zahlreiche Anbieter und die meisten Laufwerke werden auch direkt von den gängigen Betriebssystemen unterstützt.
5¼“ WORM
:Bei diesen Medien und Laufwerken handelt es sich um die traditionelle Technologie, die speziell für die elektronische Archivierung entwickelt wurde. Die Medien befinden sich in einer Schutzhülle und sind daher gegen Umwelteinflüsse besser gesichert, als CD und DVD, die für den Consumer-Markt entwickelt wurden. Die Medien werden mit einem Laser beschrieben und bieten eine äußerst hohe Verfälschungssicherheit. Der derzeitige Stand der Technik sind sogenannte UDO-Medien, die einen blauen Laser verwenden und eine Speicherkapazität von 50 GigaByte bieten. Zukünftig ist mit noch deutlich höheren Kapazitäten je Medium zu rechnen. Nachteilig ist, dass Medien der vorangegangenen Generationen von 5¼“-Medien in den neuen Laufwerken nicht verwendet werden können. Von diesen sind noch mehrere verschiedene Technologien am Markt verfügbar. Für den Anschluss von 5 ¼“-Laufwerken ist spezielle Treibersoftware notwendig.
Für die Verwaltung und Nutzung der Medien sind sogenannte Jukeboxen, Plattenwechselautomaten, gebräuchlich. Diese stellen softwaregestützt die benötigten Informationen von Medien bereit. Die Software ermöglicht es in der Regel auch, Medien mit zu verwalten, die sich nicht mehr in der Jukebox befinden und auf Anforderung manuell zugeführt werden müssen. Die Software zur Ansteuerung von Jukeboxen wird direkt in die Archivsoftware integriert aber auch als unabhängige Ansteuerungssoftware angeboten. Zum Anschluss von Jukeboxen bedient man sich in der Regel eigener Server, die auch die Verwaltung und das Caching übernehmen. Inzwischen können solche Systeme aber auch als NAS Network attached Storage oder integriert in SAN Storage Area Networks genutzt werden. Die Software ermöglicht dabei respektable Zugriffs- und Bereitstellungszeiten, die im Regelfall ein ausreichendes Antwortzeitverhalten garantieren.
Neben diese klassischen Archivspeicher, die auf rotierenden, digital-optischen Wechselmedien basieren, treten inzwischen zwei weitere Technologien:
CAS Content Adressed Storage
:Hierbei handelt es sich um Festplattensysteme, die durch spezielle Software die gleichen Eigenschaften wie ein herkömmliches WORM-Medium erreichen. Ein Überschreiben oder Ändern der Information auf dem Speichersystem wird durch die Kodierung bei der Speicherung und die spezielle Adressierung verhindert. Bei diesen Speichern handelt es sich um abgeschlossene Subsysteme, die allerdings nahezu wie herkömmliche Festplattensysteme direkt in die IT-Umgebung integriert werden können. Sie bieten Speicherkapazitäten mit hoher Performance im TeraByte-Bereich.
WORM-Tapes
:WORM-Tapes sind Magnetbänder, die durch mehrere kombinierte Eigenschaften ebenfalls die Anforderungen an ein herkömmliches WORM-Medium erfüllen. Hierzu gehören spezielle Bandmedien sowie geschützte Kasetten und besondere Laufwerke, die die Einmalbeschreibbarkeit sicherstellen. Besonders in Rechenzentren, in denen Bandroboter und Librarysysteme bereits vorhanden sind, stellen die WORM-Tapes eine einfach zu integrierende Komponente für die Langzeitarchivierung dar. Die vorhandene Steuersoftware kann mit den Medien umgehen und auch entsprechendes Umkopieren und Sichern automatisieren.
Besonders für größere Unternehmen und Verwaltungen mit Rechenzentren stellen Festplatten- oder WORM-Tape-Archive eine Option dar, da sie sich einfach in den laufenden Betrieb integrieren lassen.
Strategien zur Sicherstellung der Verfügbarkeit archivierter Information
Standardisierung
:Wesentliche Voraussetzung für die langfristige Verfügbarmachung elektronischer Information ist die Einhaltung von Standards. Zu berücksichtigen sind Aufzeichnungsformate, Metadaten, Medien und die Dateiformate der Informationsobjekte selbst. Schon bei der Erzeugung von Daten sollte die langfristige Speicherung berücksichtigt werden. Langzeitig stabile Formate sollten bevorzugt verwendet werden. Eigenschaften eines solchen Formats sollten eine weite Verbreitung, eine offene Spezifikation (Norm) oder die spezielle Entwicklung als Format zur langfristigen Datenspeicherung sein. Beispiele sind XML-Dateien, TIFF und PDF-Archive.
Migration
:Eine Methode zur Sicherstellung der Verfügbarkeit ist die Migration von Information in eine neue Systemumgebung. Sie stellt unter Umständen ein Risiko dar, wenn die Informationen nicht nachweislich unverändert, vollständig und weiterhin uneingeschränkt wieder findbar von einer Systemlösung auf eine andere migriert werden. Originalität und Authentizität können durch eine Migration in Frage gestellt werden. Anderseits zwingt der technologische Wandel die Anwender auf neue Speicher- und Verwaltungskomponenten rechtzeitig zu wechseln, um die Information verfügbar zu halten. Die Migration ist daher bereits bei der Ersteinrichtung eines Archiv- und Speichersystems zu planen, um ohne Risiko und Aufwand den Wechsel vollziehen zu können. Kontrollierte, verlustfreie, „kontinuierliche Migration“ ist zur Zeit die wichtigste Lösung, Information über Jahrzehnte und Jahrhunderte verfügbar zu halten. Das Thema Migration wurde durch die Veränderungen und die Konsolidierung des Dokumentenmanagement-Marktes mit dem Verschwinden von zahlreichen Anbietern häufig diskutiert. Der Wegfall einzelner Produkte zwingt zur Migration auf andere Formate, manchmal mit Hilfe eines eigenen Migrationsprogramms. Wer ein Archivsystem einführt, muss sich daher von Anbeginn an mit dem Thema Migrationsplanung beschäftigen.
Emulation
:In der wissenschaftlichen Welt wird noch ein zweites Modell ähnlich stark diskutiert: Emulation. Emulation heißt, die Eigenschaften eines älteren Systems so zu simulieren, dass damit auch Daten dieses Systems mit neueren Computern und Betriebssystemen wieder genutzt werden können. Beispiele gibt es einige, zum Beispiel bei Computerspielen oder Apple-Computern. Diese Lösungsstrategie wird im Bereich der langfristigen Datenspeicherung aber noch nicht in größerem Ausmaß eingesetzt. Nachteile sind, dass der Aufwand künftiger Emulationsschritte nicht planbar ist und bei einem zu großen Paradigmenwechsel eines Tages vielleicht gar nicht mehr durchführbar ist. Diese Nachteile gelten in ähnlicher Form auch für nicht rechtzeitig durchgeführte Migrationen.
Kapselung
:Als Vorbereitung für Emulation eignet sich insbesondere das Kapselung-Verfahren. Dabei werden zusätzlich mit der zu bewahrenden Datei oder dem Informationsobjekt auch noch die Software, mit der man es visualisieren und reproduzieren kann, sowie die zugehörigen Metadaten in einer "Kapsel" gespeichert. Damit sind alle für die Nutzung notwendigen Informationen in Zukunft sofort zusammenhängend gespeichert. Durch diese Methode können die zu speichernden Objekte sehr groß werden, ohne dass jedoch vollständig sichergestellt ist, dass die mitarchivierte Software auch in zukünftigen Betriebssystemumgebungen lauffähig ist.
Konversion zur Laufzeit
:Lassen sich die Formate der zu speichernden Informationsobjekte nicht kontrollieren und nicht auf wenige Langzeitformate einschränken, sind Konverter und Viewer systemseitig ständig vorzuhalten, die ältere Formate in anzeigbare Formate beim Aufruf der Objekte wandeln. Dies führt mittelfristig zu einer Vielzahl von bereitzuhaltenden Konvertern und Viewern, für die eine eigenständige Verwaltung erforderlich ist, um zu einem älteren Informationsobjekt den jeweils passenden, aktuellen Konverter aufrufen zu können. Die Konversion zur Laufzeit unterscheidet sich von der Emulation dadurch, dass nicht eine ältere Umgebung aufgerufen, sondern das Objekt für die aktuelle Umgebung gewandelt wird. Spezielle Eigenschaften von Formaten, elektronische Signaturen und Digital-Rights-Management-Komponenten können hierbei, ebenso wie bei den anderen Verfahren, zu Problemen führen.
Rechtliche und regulative Vorgaben für die elektronische Archivierung
Das Thema Archivierung und Langzeitspeicherung hat in den letzten Jahren besonders durch rechtliche und regulative Vorgaben an Bedeutung gewonnen. Die Gleichbehandlung von digitalen Dokumenten mit elektronischer Signatur wie herkömmlichen Papierdokumente, der Sarbanes-Oxley Act und andere Compliance-Anforderungen in den USA, die Diskussion um die Archivierung steuerrelevanter Daten entsprechend den GDPdU in Deutschland machen revisionssichere Archiv- und Speichersysteme erforderlich. Im Rahmen der Diskussion der gesetzlichen Anforderungen stellte sich häufig die Frage nach dem „richtigen“ Speichermedium. Traditionelle WORM-Medien, die physisch nur einmal beschreibbar sind, erhoben den Anspruch die einzig richtigen Speichermedien zu sein. Die Hersteller von Festplattensystemen und WORM-Tapes konterten. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Gesetze und Verordnungen medienneutral sind (oder sein sollten), da angesichts der langfristigen Aufbewahrungszeiträume auch Technologiewechsel berücksichtigt werden müssen. Das richtige Medium gibt es daher nicht. Das gesamte Verfahren der Archivierung muss geschlossen und sicher sein. Dies geht über die Frage der Laufwerke und Medien hinaus und bezieht auch die organisatorischen Prozesse mit ein.
Weiterentwicklung
Speichermedien
Entscheidend für den Einsatz von Archiv-Speichertechnologien ist inzwischen die Software geworden. Sie sichert unabhängig vom Medium die Unveränderbarkeit der Information, sie ermöglicht den schnellen Zugriff und sie verwaltet gigantische Speichermengen. Bisher waren elektronische Archive eine spezielle Domäne der Archivsystemanbieter. Nunmehr wird aber die Speichertechnologie selbst immer intelligenter. Systemmanagement- und Speicherverwaltungssoftware verwalten inzwischen auch die elektronischen Archive. Zusätzlich kann immer noch ein herkömmliches Archiv-, Records-Management- oder Content-Management-System für die inhaltliche Strukturierung, die Ordnung, Erschließung und Bereitstellung der Informationen eingesetzt werden. Die Speichersystemanbieter rüsten jedoch auf. Ihr Ziel ist es, Archivspeicher als Infrastruktur betriebssystemnah und für alle Anwendungen gleich bereitzustellen: Dieser Trend im Jahr 2003 wird ILM Information Lifecycle Management genannt und soll die elektronische Archivierung einschließen. Besonders das Versprechen, das ILM Migrationen unnötig macht oder automatisiert, weckt bei vielen Anwendern Interesse. Der Anspruch an ILM ist dabei deutlich jenseits des herkömmlichen HSM, Hierarchisches-Speicher-Management, angesiedelt. Es geht zunehmend um die Software zur Verwaltung des gesamten Lebenszyklus von Information anstelle von reiner Speicherhardware. Elektronische Archivierung wird als nachgeordneter Dienst eingesetzt, der in Enterprise-Content-Management-Lösungen integriert wird, aber als Archivierungskomponente allen Anwendungen zur Verfügung steht, deren Informationen langfristig und sicher aufbewahrt werden müssen.
Siehe auch
- Dokumentenmanagement
- Preservation, siehe Preserve
- Langzeitarchivierung
- Informationslebenszyklusmanagement
- CompTIA CDIA+ Zertifizierung
- Revisionssicherheit
- Verfahrensdokumentation nach GoBS
Literatur
- Uwe Borghoff, Peter Rödig, Jan Scheffczyk: Langzeitarchivierung. dPunkt-Verlag, 2003, ISBN 3-8986-4245-3.
- Ulrich Kampffmeyer, Jörg Rogalla: Grundsätze der elektronischen Archivierung. VOI-Kompendium Band 3. VOI Verband Organisations- und Informationssysteme e. V., Darmstadt 1997, ISBN 3-932898-03-6.
- Ulrich Kampffmeyer: Grundlagen des Dokumentenmanagements. Gabler Verlag 1997, ISBN 3-4098794-0-4.
- Ulrich Kampffmeyer: Elektronis | | |